Freitag, 6. Oktober 2006

Unsicher


Ich hatte ein Bedürfnis.
Jenes, hier einen Text von mir reinzusetzen.


wenn wir geboren werden, fallen wir auf diese welt. irgendwo, an einem nicht bekannten ort erblicken wir licht. dieses licht erklärt uns gar nichts. es zeigt uns nichts. es lässt uns nur sehen.

je länger man hier weilt, desto mehr wird erklärt. und desto weniger licht gibt es. wir sitzen an kreuzungen ohne wegweiser. wir haben ampeln und schilder, die uns verbieten bestimmte wege zu gehen. wir haben polizisten und passanten, die uns widersprüchliche hilfen geben. schließlich entscheiden wir uns.

entscheidungen treffen oder umgehen, das macht für unsichere keinen unterschied. sie gehen einen weg, merken dass er ihnen nicht gefällt und gehen wieder zurück. sie hinterlassen spuren dort, manchmal auch trümmer. aber sie merken es nicht , denn sie haben schon die nächste entscheidung getroffen.

andere bewegen sich sehr langsam fort. sie bleiben lange auf der kreuzung, beobachten, wie die menschen glücklich in die straßen gehen und traurig wieder herauskommen. manchmal sehen sie auch, wie jemand nicht zurück kommt. hat es ihm dort tatsächlich gefallen? oder ist er schon an der nächsten kreuzung? wo gibt es hilfe?

schließlich entscheiden auch sie sich. wir beobachten jil. lange zeit schon hat sie auf der kreuzung verbracht, sie hat viel gehört, viel gesehen, aber doch nichts wirklich. sie ist allein, keine liebe, keine wärme. sie geht einen weg, sie möchte das ändern. der weg scheint schön zu sein. sie ist glücklich, nicht in einer dieser dunklen gassen gelandet zu sein, wo gewalt und keine liebe herrscht. .

sie beschließt den weg weiter zu gehen. sie sieht bäume, blumen. leider sieht sie nicht weit. kein weg ist weit einzusehen. niemals wird sie wissen, wie es hinter dem nächsten hügel aussieht. aber sie sieht, wie er sich entwickelt. mit jedem schritt trifft sie eine entscheidung. für diesen weg und gegen die anderen. sie weiß nie, ob sie richtig ist. aber sie weiß, wie sie sich dabei fühlt

sie weiß, dass es wege gibt, die am anfang nicht so schön aussehen. doch je länger man sie geht, desto mehr bäume und blumen sieht man. sie sind ewig lang, man kann sie weiter gehen und man kann einfach stehen bleiben, wenn es am schönsten ist. verlässt man sie am anfang, wenn sie noch karg sind, hätte man das alles verpasst. man fliegt mit einem flugzeug vom wegesrand zurück zur kreuzung. und sieht aus der luft, wie schön der weg noch geworden wäre. doch ein weiteres mal wird man ihn nicht betreten können, er ist unauffindbar. oder verschlossen.

es gibt auch wege, die die ganze zeit über ansehnlich sind. es gibt hier und da ein paar bäume, die einem freude machen. manchmal auch bunte blumen. doch nie ist es wirklich so, wie man sich das vorgestellt hat. man kann solche wege immer weiter gehen, in der hoffnung, dass sie sich doch noch entwickeln. oder man klettert an einer stelle über die mauer, die den weg von den anderen trennt. man klettert darüber, obwohl der weg nicht wirklich schlecht war. was hinter der mauer ist, erkennt man erst, wenn man auf der anderen seite ist. und natürlich nicht mehr zurück kann. doch irgendwo dort ist sicher ein besserer weg. den man wieder einmal suchen muss.

diese mühe ist für jil nicht zu viel. sie möchte einen weg finden, der sie rundum bezaubert. dafür hat sie einen anderen, ansehnlichen, weg verlassen. sie hatte bäume dort, sie hatte liebe. doch war in ihrem hinterkopf immer der gedanke, etwas zu verpassen. sie ging immer langsamer, damals. irgendwann blieb sie fast stehen. sie merkte, dass es keinen sinn hat. wer steht, wird auch nichts verbessern. auch nicht verschlechtern. doch das reichte ihr nicht. .

sie kletterte über die mauer und landete auf der kreuzung. nun ist sie auf dem neuen weg. noch hat sie nicht durchschaut, was das wohl für ein pfad ist. sie kann nicht erkennen, was für bäume dort stehen. sie sind unscharf. doch wenn sie nicht alles täuscht, sieht sie in der ferne wunderschöne sträucher. sträucher, an denen sogar früchte wachsen.

früchte... wann hat sie zuletzt richtig schöne früchte gegessen?
...überhaupt schon ... jemals?